Jasmin | Nickname: blackberry, dabei seit: 12.12.04:
Posted on: 07.12.11 02:38
Nachdem facebook in den letzten zwei, drei Jahren so populär geworden ist, war für mich irgendwie klar, dass Epos4 früher oder später Geschichte sein wird. Aber jetzt wo es wirklich so weit ist, kommt es mir trotzdem unwirklich vor. Ich möchte die Abschaltung zum Anlass nehmen, um ein bisschen über meine Zeit auf Epos4 zu reflektieren. Vielleicht findet sich ja jemand in meinen Worten wieder.
Meine Zeit mit Epos4 begann Ende 2004 mit meiner Anmeldung unter dem Nicknamen ?blackberry?. Das war im selben Jahr als ich von der Hauptschule in die HLA in Krems wechselte, quasi gemeinsam mit dem Beginn eines neuen Lebensabschnittes. Die prägenden Eckpfeiler lassen sich grob in Ausziehen von zuhause, neue Menschen kennen lernen und erste berufliche Weichenstellungen vornehmen, zusammenfassen. Zu dieser Zeit war der Kultstatus von Epos in meinem Freundeskreis gerade am entstehen und die Seite war für mich damals das, was sie wohl für die meisten zu dieser Zeit war: eine Möglichkeit zur Selbstdarstellung und zum Austausch mit Freunden. Wie viele Stunden doch man damit verbrachte, ?Ich mag? ?Ich hasse? ?Lieblingsbands? und ?Motto? auszufüllen. Welche Anzahl von Fotogalerien man von schon damals legendären Pollak[ersetze jeder nach belieben durch die eigene Stammdisko]-Abenden erstellte, um die Momente des Feierns, Singens, Gröhlens, Tanzens, Fallens und Wiederaufstehens, Verliebens und wieder Entliebens, schlicht des mit Freunden Zeit verbringens gemeinsam nocheinmal vorbeiziehen zu lassen.
Ab Mitte 2005 war ein Epos-Account für die Jugend im Waldviertel einfach Standard. Man ging fort, lernte neue Leute kennen und fragte statt der Handynummer einfach nach dem Epos-Nicknamen. Wieder zuhause dann gleich (meist noch betrunken) eingeloggt und die neue Bekanntschaft zu den Freunden hinzugefügt, das Profil durchgelesen ? und wenn wirklich interessante Bekanntschaft ? auch noch einen Haufen Bilder angesehen und einen Gästebucheintrag hinterlassen. Aber es ging auch anders herum. Auf einen beliebigen Nicknamen in der Onlineliste geklickt, ein interessantes Posting gelesen oder die Freundeliste der eigenen Freunde durchforstet, kam man manchmal auf die Profile sehr spannender Menschen. Aus den Email- oder Gästebuchkonversationen wurden face-to-face Konversationen und manchmal sogar richtig gute Freundschaften. Oder auch die erste Beziehung, so wie in meinem Fall.
Epos4 war lange Zeit einfach unantastbar. Epos war ?in?, ?gehörte einfach dazu?, war Teil des Alltags und quasi die Erweiterung des Handys. Dann kam mit MySpace etwas Konkurrenz, doch so wirklich durchsetzen konnte sich die Seite nie. Dann kam StudiVZ, das aufgrund seiner im Vergleich zu MySpace besseren Funktionalität und dem höheren Altersdurchschnitt (trotz all der nicht-Studis die registriert waren) langsam begann Epos das Wasser abzugraben. Nja, und als Mega-Bagger in dem Sinne entpuppte sich ein weiters blaues Netzwerk: facebook. Ich war damals eine der early-adopters und es war mit facebook wieder ein bisschen wie mit Epos am Anfang. Zuerst kaum Leute gekannt die auch einen Account hatten und nach und nach war halbe Klasse, zwei Drittel der Freunde und auf einmal auch die Eltern in diesem neuen Netzwerk registriert. Anfangs funktionierten Epos und facebook noch gut nebeneinander, Epos wehrte sich nicht gegen facebook sondern integrierte Features zur Kommunikation mit dem neuen Konkurrenzprodukt.
Aber irgendwann war die Luft draußen, und jeder war nur noch auf facebook. Auch ich. Bis vor eineinhalb Jahren, wo ich meinen facebook-Account in ca. vierstündiger Kleinstarbeit versucht habe zu löschen. Bei jedem Posting auf meiner Wall, jeder Veranstaltung, jeder Gruppenmitgliedschaft, jedem ?Freund? händisch das Löschen-Kreuzchen geklickt. Ich weiß bis heute nicht, ob all das, was ich jemals auf facebook geposted und wieder gelöscht habe, wirklich weg ist. Was mich zurück zu Epos bringt: Obwohl ich es zuletzt nicht mehr wirklich genutzt habe, sind alle meine Daten weiterhin auf den Epos4-Servern. Nicht weil ich zu faul war sie zu löschen, sondern weil diese Daten ein Stück meiner Jugend sind und ich einfach nie Bedenken hatte, dass mit meinen Daten dort Unfug getrieben werden könnte. Auch jetzt nicht. Ganz im Gegenteil, ich möchte mich dem bereits mehrfach geäußerten Wunsch, die Erinnerung an Epos4 durch eine Read-only Version aufrecht zu erhalten, anschließen.
Zuguterletzt möchte ich noch DANKE sagen...
...an alle, die Epos4 möglich gemacht haben und ihre Zeit, ihre Fähigkeiten und ihr Geld in das Projekt hineingesteckt haben. You deserve all my respect!
...für meine erste Beziehung, die auf Epos ihren Anfang nahm.
...für all die Freundschaften, die ich durch Epos knüpfen und/oder pflegen konnte.
...dafür, dass Epos dezentral und klein war und keine Anstalten machte eine Datenkrake zu sein, wo ich mir über Verbleib und Verteilung meiner Daten Sorgen machen hätte müssen.
...für die vielen großartigen, lustigen, tiefsinnigen oder schlichtweg sinnlosen Postings.
...für unzählige Erinnerungsfotos.
...dafür, dass Epos4 ein Teil meiner Jugend war.
-bekassine[ät]gmail[punkti]com